Geschichten, Storys, Abenteuer

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Flameheart
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Beitragvon Flameheart » 1. Nov 2015, 14:29

(Ist das Kunst? Naja könnte man so deuten, deshalb landet es mal hier..)

Hallöchen, zusammen! /lachen

Da meine Halloweenabend-"Gruselgeschichte" ja gar nicht mal so schlecht ankam, wollte ich sie auch dem Rest nicht vorenthalten.
Ich eröffne hiermit einen kleinen Sammelthread für Schreibfreunde. :)
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Re: Geschichten, Storys, Abenteuer

Beitragvon Flameheart » 1. Nov 2015, 14:29

Und draußen schreien die Krähen

Er saß in seinem Labor. Er, das war Marius Tauber, Physiker und absoluter Naturwissenschaftler. Es war mal wieder Freitagnachmittag, eine Zeit, zu der alle anderen bereits ihr Feierabendbier auf dem Sofa genossen und allgemein in der Universität nicht mehr viel los war. Doch zu dieser Zeit arbeitete er eben am liebsten. Sein Rechner rechnete, wie so oft in letzter Zeit. So stand er doch kurz vor der Fertigstellung seiner Doktorarbeit. Während sein PC also vor sich hin rechnete und die Apparatur auf dem Versuchstisch munter weiter die verschiedensten Schwingungen aussand, nur um sie dann wieder zu empfangen, starrte Marius aus dem Fenster. Rund um die Uni trieb wie immer eine Schar Raben ihr Unwesen. „Kräh, kräh!“, machten sie, „Kräääh.“ Was wohl Raben so taten, wenn niemand mehr in der Uni war? Waren sie einsam? Oder gab es gar so etwas wie Rabenpartys? Er stellte sich vor, wie er mit ihnen durch die Lüfte segelte…
„Kräh?!“ Das Geräusch riss ihm schlagartig die Augen auf. Oder zu? Doch auf? Auf. Doch um ihn herum blieb es dunkel. War es denn schon so spät? Unmöglich. Sofort fiel sein Blick auf die Uhr an der Wand über seinem Schreibtisch. „Was?? 23 Uhr?“ Das sollte doch ein Witz sein. Er war doch wenn überhaupt gerade einmal leicht weggedöst… Oder etwas nicht? Sein Rechner rechnete nicht mehr. Er war aus. Und auch sonst schienen die Apparaturen angehalten worden zu sein. Bis auf das Ticken der Uhr war es vollkommen still. Komisch eigentlich, so war doch niemand außer ihm noch dort. Er stand auf und tastete sich am Schreibtisch entlang, freihändig durch den Raum zur Tür. Gut, dass er diesen auch blind gut kannte. An der Tür angekommen, suchte er vom Türrahmen aus den Lichtschalter, der sich zehn Zentimeter rechts davon befand, etwa auf Hüfthöhe. Er drückte. „Klick“, machte es. Doch nichts passierte. „Klick“, er drückte erneut. Nichts. Nichts außer allumgebender Finsternis. „Verdammte Scheiße!“, fluchte er. „Da braucht man einmal wirklich Technik und dann funktioniert sie nicht!“ „Klick, klick, klick. Pong.“ Sein Fuß landete an der Tür. Er wollte raus, um den Stromhauptschalter zu suchen. Vielleicht hatte ein Witzbold von Erstsemester daran herumgespielt. Doch so sehr er auch an der Klinke zog und zerrte… Die Tür blieb zu. Eingesperrt. Er, ein erwachsener Mann, eingesperrt in seinem Labor. „Hallo? Hallo, ist da jemand?“, rief er durch die Tür. „Ich bin hier! Hallo!“ Keine Antwort, keine Schritte, kein Strom. Und Wochenende. Was sollte er tun? Er ließ sich mit dem Rücken gegen die Tür fallen und sank daran herunter, bis er auf dem Boden saß, und stützte den Kopf auf beide Hände. Er seufzte. Abwarten würde wohl kaum helfen, doch was sollte er tun? Dann fiel ihm sein Handy ein. Vielleicht hatte er Glück und konnte noch einen Pförtner erwischen. Er wählte die Nummer und es tutete. Schon mal gut. Ein Hauch Erleichterung durchfuhr ihn. „Sicherheitsdienst Universität, Braun, schönen guten Abend..?“ Jawoll! Beinahe hätte er laut geschriehen. „Ähm.. Tauber hier, ich..“

Knack. Die Leitung brach ab. Rauschen. Immer lauter werdendes Rauschen. „Hallo, Herr Braun?“ Rauschen. Aber keine Antwort. Neben sich vernahm er ein Surren. Seine Schwingungsmaschine war angesprungen. Immer noch Rauschen… „Krääääh?!!“ Wie ein Markerschütternder Schrei dröhnte es aus dem Handylautsprecher in sein Ohr. „Krääh-hä-hä! Sitzt du in der Falle, mein Liebäähr? Na sowas! Krääh-hähää.“ Marius sprang auf. Drückte auf den Hörer und lief zum Fenster. Was sollte das? Was wurde hier gespielt? Die Maschine surrte weiter, lauter und lauter wurde sie. „Kräähähäh, dachtest du echt, Auflegen reicht?“ Die Stimme kam aus seiner Apparatur, immer wieder unterbrochen vom Surren. „Ach, und Marius, schau mal zurück, krääh!“ Unsicher drehte er den Kopf über die Schulter. Schaute, und drehte ihn blitzschnell zurück. Rote Augen hatten ihn zwei Sekunden lang angestarrt. Rote, glühende Augen. Außen dunkler, innen hell. Aber sie waren da, ganz sicher. „Krää-hähä, hat er Angst? Wovor denn?“ Stur schaute er aus dem Fenster. Schweißperlen breiteten sich auf seiner Stirn aus. Körper angespannt. „Aber die Tür ist doch offen! Krää-hähä. Schauu!“ Das Surren verstummte. Wie gelähmt drehte er sich vom Fenster weg. Tat unbeholfen einige Schritte vorwärts… Und stolperte beinahe durch die nun geöffnete Tür. Da hatte die Stimme tatsächlich nicht gelogen. Doch wohin? Ausgang. Bloß weg hier. Er wandte sich rechts. Im Dunkeln war das ganze halb so einfach. Doch er schaffte es schlussendlich den Gang entlang zur Treppenhaustür. Ohne Strom blieb wohl nur die Treppe. Jetzt rannte er fast, immer mit der Hand das Geländer suchend. Hier war es wenigstens nur leicht düster. Bis zum Erdgeschoss waren es ganze drei Stockwerke. Stufe um Stufe glitt unter seinen Füßen hinweg. Da, die Erdgeschosstür. Zitternd legten sich seine Finger um den Türgriff. „Das würde ich nicht versuchen“, sagte etwas rechts von ihm. Er ignorierte es und drückte gegen die Tür. Fehlanzeige. „Naaachts sind die Türen verschlossen, kräääh!“ Im Augenwinkel bewegte sich etwas. Etwas Schwarzes. Neben ihm auf der Heizung saß eine Krähe, die Flügel angelegt. Noch während Marius einen Schritt zurückwich verwandelten sich ihre schwarzen Perlenaugen in blutrote Lichter. Die Krähe sprang. Doch er rannte. Er rannte zurück zum Treppenhaus, diesmal nach unten. „Kräääh, kräh, kräh“ Er spürte die Krähe im Nacken. Nahm zwei Stufen auf einmal, dann drei. Und stand im Keller. „Krääh“ Schnell, links, viel Zeit zum Entschieden blieb nicht. Ein fast winziger, beunruhigender Gang war das. Überall Rohre, Spinnenweben, ab und zu mal Schränke. Er rannte. Er wusste nicht wohin, aber Hauptsache weg von der Krähe. „Krääh“, hörte er sie. Rechts, links, rechts, jagte sie ihn. Schon jetzt hatte er sämtliche Orientierung in dem Ganggewirr verloren. Dann stand er vor einer Tür. Sie öffnete nach innen. Er flüchtete hinein, schloss sie sofort und kauerte sich mit dem Rücken dagegen. Abgehängt. Endlich. Er atmete aus. Vor sich fand er einen Tisch, welchen er notdürftig vor die Tür schob. Das sollte sie aufhalten. Er sah sich um. Wagen aus Metallgitter. In etwa 1,50m hoch, jeweils 1m breit. Ausgefüllt mit Laken, Tischdecken und dergleichen. Ein Wäscheraum? Auch hier war es mucksmäuschenstill. Einzig sein Atem und sein Puls waren zu hören, welcher ihm mittlerweile in den Ohren dröhnte. Immer noch erschöpft legte er seine Hand auf einen der Körbe. …Und spürte etwas Kaltes, Lebendiges. Ehe er seine Hand wegziehen konnte, fuhr es wie eine Schlange über seine Hand und griff nach seinem Handgelenk. Zog ihn beinahe vornüber in den Korb. Er taumelte. „Aaaah“, schrie er und riss sich los. Gänsehaut durchfuhr ihn. Er spürte wie sich nach und nach jedes einzelne Härchen seines Körpers aufstellte. Er atmete schnell. Nun stand er mitten im Raum. Unbeholfen. Sah sich um. Dunkelheit. Stille. „Krääh! Kräh, kräh, kräää!“ Das Geräusch wurde lauter. Augen, überall, wo er auch hinguckte waren rote, leuchtende Augen. Kamen sie näher? Sie wurden größer, umzingelten ihn. Immer mehr tauchten in der Dunkelheit auf. Er trippelte zurück, stieß wieder gegen den Wagen. Zu spät realisierte er, dass es der Wagen war. Kalte Arme glitten an seiner Brust entlang und vorne zusammen. Etwas kaltes bewegte sich seinen Rücken hoch. Auf Schulterhöhe. „Aaaah, hab ich dich endlich, solch ein köstlicher Festschmaus.“, quiekte es. „Geh weg“ schrie er, „was soll das Spielchen hier?“ „Hihihi, du wolltest doch wissen, was hier nachts passiert.“ Mit einem Ruck schlossen sich die Arme fester. Er kriegte keine Luft mehr. Er wollte schreien, doch die Stimme versackte im Hals. Die Krähen waren zu schwarzen Schatten mit Federn und glühenden Feueraugen geworden. Umzingelten ihn. Starrten ihn an. Keine Luft. „Lass los, du tust mir weh“, konnte er grade noch hauchen. Und Finsternis umnebelte ihn…

Er saß in seinem Labor. Er, das war Marius Tauber, Physiker…
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